Beidseitige Bewusstseinskrise der Klimaschützer und Klimaleugner und ein heilsamer Weg des ganzen Menschseins

Selbstverständlich werde ich mich jetzt am Freitag an dem Klimastreik beteiligen. Indem ich meditiere. Für mich ist die Demo-Energie nicht heilsam. So mobilisierend die aktuelle Klimadiskussion ist, so spaltend empfinde ich sie auch. Eben weil sie nicht heilsam ist. Denn sie bestätigt und verstärkt die alten Konditionierungsmuster der Trennung, von Schuldzuweisungen, Rechthaberei bis hin zur Reduktion des Menschen auf den Kopf, die Fakten und das Handeln.

Das entspricht unserer bestehenden Konditionierung, die uns in die ökologische, soziale und spirituelle Krise geführt hat, und ändert sie nicht. Durch den gewohnten Blick nach außen und auf andere wird die eigene Konditionierung nicht erkannt und daher auch nicht durch Transformation geheilt. Für eine heilsame Transformation dieser Muster braucht es den ganzen Menschen mit Kopf, Herz und Bauch, nicht den Rückzug auf gesellschaftliche Rollen, wie Politiker oder Wissenschaftler, Klimaschützer und Klimaleugner. So verkommt das überlebenswichtige Anliegen des Klimaschutzes zu einem gesellschaftlichen Rollenspiel mit den bekannten Positionskämpfen.

Wir haben das Problem nicht verstanden, denn es besteht nicht aus fehlender Information, sondern aus fehlender Transformation.

Information ist nur innerhalb es kleinen Spielraums unseres bewussten Denkens wirksam und handlungsrelevant, in dem unser Denken nicht von der ins Unbewusste abgespaltenen Konditionierung unserer Gefühle und unseres Seins bzw. Nicht-Seins im Sinne von Nicht-Sein-Dürfen beherrscht wird. Hierbei geht es immer um Transformation.

Die Kopfebene entspricht der Handlungsebene in der Außenwelt. Sich darauf zu reduzieren, trennt uns von unseren Gefühlen im Herzen und unserer Intuition im Bauch ab. Dadurch wird das verheerende mechanistische Menschen- und Weltbild aufrecht gehalten, es erhält sogar eine neue Renaissance, dabei sind wir längst weiter in unserer Erkenntnis und Erfahrung, mehr als objektiv-rationale Ursache-Wirkungs-Maschinen zu sein: Wir sind Lebewesen, komplexe Organismen, die aus mehrdimensionalen Beziehungen bestehen. Drei wesentliche dieser Beziehungen sind ökologisch, sozial und spirituell, die allesamt nicht erlebbar und begreifbar sind in einem rein objektiv-rationalen Ursache-Wirkungs-Denken. Mangel an Information ist nicht die Ursache. Wir wissen bereits genug, jedoch gibt es andere Wirkungsmechanismen als das bewusste Wissen im Kopf, die uns steuern und handlungsrelevant sind. Diese spielen sich im Unbewussten ab und um sie zu verstehen ist es erforderlich, die Konditionierung unserer Gefühle und unseres Seins wahrzunehmen und in unser Verständnis vom Menschsein zu integrieren.

Wir sind im Alltag bereits voll von Informationen, mehr Information über den Klimawandel ist eine falsche Schlussfolgerung aus einem mechanischen Menschen- und Weltbild heraus und nicht heilsam. Es passt auch scheinbar nichts Neues mehr rein. Erst einmal leer zu werden von dem, was uns gegenwärtig füllt und nicht erfüllend ist, weil es abspaltend ist, führt zu neuen Seinsmöglichkeiten. Doch zunächst brauchen wir Einsicht und Verständnis, was uns belastet, um davon frei zu werden. Unsere gegenwärtigen Gefühle ebenso wie unser Sein sind negativ geprägt und von Mangel getrieben durch die Abspaltungen von unserer Natur, von unseren Mitmenschen und von uns selbst.

In der Außenwelt suchen wir dann Erfüllung. Das muss aber scheitern, weil die Außenwelt im Mangel wahrgenommen wird und Glück und Zufriedenheit keine Qualitäten von Materie sind, sondern unseres Geistes.

Diese Zusammenhänge gilt es in uns selbst wahrzunehmen, um unsere Ressourcen und Kompetenzen zur Lösung und Befreiung aus unserer Konditionierung zu überwinden. Nach Kant ist es die Befreiung aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit, von der wir zwar wissen, die wir jedoch noch nicht erfahren haben. Denn als rein objektiv-rationales Kopfwissen ist es aufgrund der Abspaltung nicht wirksam.

Unsere Lösung ist eine Erlösung durch Ganzwerden. Das erfordert ein Aufbrechen unserer Konditonierung, das Angenehme zu suchen und das Unangenehme in uns zu vermeiden. Denn dieser Verdrängungsmechanismus hält unsere Unwissenheit und Unmündigkeit über unsere eigenen ökologischen, sozialen und spirituellen Abspaltungen aufrecht. Durch das Anschauen, Zulassen und Annehmen unserer verdrängten Gefühle und Seinszustände entsteht Heilung. Vergebung und Mitgefühl sind uns miteinander verbindende heilsame Qualitäten, die aus der Ganzheit von Kopf, Herz und Bauch ganz natürlich hervorgehen. Empfinden wir diese nicht, können wir davon ausgehen, dass wir in den Abspaltungen unserer eigenen Konditionierung gefangen sind. Daran kann keine Kopfinformation, kein Politiker oder Wissenschaftler etwas ändern. Für effektiven Klimaschutz brauchen wir kollektive Befreiung aus selbst verschuldeter Unmündigkeit. Befreiende Selbsterkenntnis wird nun zur Überlebensfrage der Menschheit. Hierfür gibt es spirituelle Wege der Transformation. Darauf kommt es nun an: ganz Mensch sein!